Videokonferenzen in der Sozialen Arbeit?

Corona verändert alles – auch die Soziale Arbeit. Wir müssen neue Wege gehen, und einer davon sind Videokonferenzen. Hier finden Sie ein paar Impulse zu Videokonferenzen in der Sozialen Arbeit.

Worum geht es?

Videokonferenzen sind eine alte Science-Fiction-Vision – und waren lange nur für Großunternehmen mit aufwändiger Technik verfügbar. 

Das hat sich in letzter Zeit geändert. Dies liegt zum einen an neuen Anbietern und neuer Technologie. Angebote wie „Skype for Business“ (jetzt „Microsoft Teams“) oder „Zoom“ machen Videokonferenz im Browser oder in der App mit wenigen Klicks verfügbar. Und da die meisten Angebote auch über Smartphones laufen sind sie für viele Klient*innen auch außerhalb von Einrichtungen der Wohlfahrt zugänglich und nutzbar.

Video-Konferenzen sinnvoll nutzen

Wofür kann man Videokonferenzen einsetzen? Grundsätzlich für alles, wo zwei oder mehr Personen gemeinsam miteinander reden. 

Das kann folgendes sein:

  • Teambesprechungen: Bringen Sie ihre Kollegen an einem virtuellen Tisch, besprechen Sie Fälle von Klient*innen, Abläufe oder Schichtpläne. 
  • Einzelchats mit Klient*innen: Halten Sie Kontakt mit einzelnen Klient*innen, die aufgrund von Corona nicht mehr in ihre Einrichtungen kommen.
  • Gruppenchats mit Klient*innen: Bringen Sie Menschen, die sich aus ihren Einrichtungen kennen, auch virtuell zusammen.
  • Gruppenchats mit Angehörigen: Binden Sie Angehörigen von Klient*innen auf neue Weise ein (zum Beispiel Eltern von Kindern in heilpädagogischen Angeboten, etc.).
  • Chat-Hotline: Bieten Sie eine Video-Chathotline für ihre Klient*innen an, bei der sich diese bei Problemen melden können. 

Wichtig ist in allen Fällen natürlich eine gute fachliche Vor- und Nachbereitung: 

  • Welche Inhalte sollen besprochen werden? 
  • Wie interveniert man bei akuten Krisen? 
  • Wie geht man mit Informationen um, die auf Überforderung oder Kinderschutz-Tatbestände hinweisen? 
  • Wie erreichbar kann und will man sein? 
  • Wie stellt man eine verlässliche Ansprechbarkeit sicher, wenn Mitarbeitende im Home-Office sitzen?

Voraussetzungen für Video-Telefonie

Zum einen braucht es gewisse technische Voraussetzungen – im Regelfall:

  • Rechner / Laptop mit Sound, Kamera und eingebauter Kamera oder Smartphone mit Kamera & Mikrophon (Standard).
  • Stabiles Internet mit ausreichender Bandbreite.

Das heißt aber auch: Klient*innen brauchen nicht unbedingt einen voll ausgestatteten Rechner, meist reicht ein Smartphone und ein WLAN-Zugang. 

Hilfreich ist zudem, wenn das Gespräch in einem abgeschlossenen, ruhigen Raum stattfindet, auch, damit die Gesprächsinhalte vertraulich bleiben. Gerade wenn mehrere Klient*innen in einem Gruppengespräch sind ist dies wichtig, da sonst vertrauliche Informationen an Angehörige anderer Klient*innen fließen können.

Gerade bei Gesprächen mit Kindern kann natürlich ein Blick in das Wohnumfeld hilfreich sein – natürlich in Rücksprache mit den und Zustimmung durch die Eltern. Hierbei lassen sich zum Beispiel die Interaktionen mit den Eltern beobachten und reflektieren oder Gefährdungen im Wohnumfeld erkennen.

Gerade wenn mehrere Teilnehmer sich per Video anmelden und sich mit schlechten Internetverbindungen einwählen kann es manchmal ruckeln – weisen Sie darauf am besten am Anfang hin und fangen Sie es im Gespräch auf, wenn sich Probleme ergeben.

Chat & Co – mehr als Video

Die meisten Plattformen für Videotelefonie bieten mehr als Videotelefonie – normalerweise haben Sie eine Chatfunktion, zudem lassen sich während des Anrufs auch Bildschirminhalte, Bilder oder PDFs teilen. 

Auch dies bietet neue Ansätze für die Soziale Arbeit. So können Sie Links für sinnvolle Beschäftigungen in der Quarantäne teilen, wie einfache Bastelanleitungen oder Spieltipps oder Gesprächsergebnisse nochmal als Chatnachricht festhalten.

Achtung, Datenschutz!

Egal welche Plattform sie benutzen – auch für Videotelefonie ist Datenschutz ein wichtiger Faktor. Dabei geht es nicht nur darum, rechtliche Anforderungen zu erfüllen.

Gerade in der Sozialen Arbeit ist Datenschutz auch Klient*innenschutz.

Auch wenn Plattformen Gesprächsinhalte selber oft nicht einsehen können (falls sogenannte „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ genutzt wird) wissen sie doch, wer mit wem wie oft und wann gesprochen hat. Gerade wenn Sie Klient*innen in prekären Situationen haben, zum Beispiel in der Sucht- oder Schuldenberatung, kann diese Information statistisch ausgewertet werden. Hierauf sollten Sie bei der Auswahl der Plattform achten, lassen sie sich im Zweifelsfall von Ihrer IT-Abteilung und / oder der*m Datenschutzbeauftragten beraten. 

Videokonferenzen in der Diakonie Düsseldorf

In der Diakonie Düsseldorf steht, seit einigen Monaten, den Mitarbeitenden auf Basis der bestehenden Telefonanlage der Dienst „Rainbow“ zur Verfügung. Hierbei können zum einen unter angemeldeten Nutzern aus der Diakonie Düsseldorf einfach Chatgruppen und Video-Telefonate durchgeführt werden. Zum anderen lassen sich auch externe einladen und einbinden.

Zuerst wurde die Videotelefonie über Rainbow zur internen Organisation genutzt – um Teambesprechungen unter den geänderten Rahmenbedingungen zu organisieren, zum Beispiel. In den Videotelefonaten des Teams werden dabei die Fördereinheiten und Dokumentationen abgestimmt.

Im Rahmen der Heilpädagogischen Tagesgruppen wurde relativ schnell auch der Kontakt zu den betreuten Kindern und ihren Eltern über Rainbow organisiert. Hierbei gibt es sowohl Gruppentelefonate als auch Einzelgespräche. Insbesondere in der Kommunikation mit den Kindern hat sich die Videotelefonie dabei bewährt: Den oder die bekannte Betreuer*in aus der Einrichtung im Bild zu sehen und interagieren zu können hilft, die Aufmerksamkeit zu gewinnen und die Bindung aufrecht zu erhalten. 

Maßnahmen in den Einzelgesprächen sind dabei:

  • Elternberatung
  • Festlegung und Nachhalten von Wochenzielen
  • Förderung der Selbstwahrnehmung
  • Gemeinsames Spielen und Beziehungsangebote (Basteln, Nähen)
  • Aufholen von Entwicklungsrückständen (z.B. Uhrzeit lernen)
  • Lerntraining
  • Emotionale Stabilisierung

Auch in anderen Bereichen wird Videotelefonie eingesetzt – teils als Pilotversuch, wie in der Schulsozialarbeit, teils schon in die reguläre Arbeit überführt. 

Auch über Corona hinaus?

Videotelefonie ist für viele erstmal eine Notlösung in Corona-Zeiten. Aber vielleicht gibt es gewisse Elemente, die sich auch in die Alltagspraxis übertragen lassen. Dies betrifft zum Beispiel den Einsatz bei mobilitätseingeschränkten Patienten, die Arbeit mit Klient*innen, die nur mit großem zeitlichen Aufwand zu einer Einrichtung kommen können oder bei denen eine zeitlich engmaschigere Betreuung sinnvoll ist. 

Vielleicht lassen sich wöchentliche Präsenztermine mit kleinen Check-Up Call zwischendurch kombinieren? Vielleicht funktionieren Video-Telefonate besonders gut für den Erstkontakt und als Einstieg, wenn Klient*innen auf der Suche nach Orientierung und für Sie passenden Angeboten sind?

Was Video-Telefonate wohl nie ersetzen werden, ist ein „In-den-Arm-nehmen“ im richtigen Moment.

Aber das geht ja gerade nicht.

Wenn Sie Fragen zum Einsatz von Video-Telefonie haben – schreiben Sie uns gerne unter buero@soziale-innovation.eu.

Wenn Sie als Mitarbeiter*in der Diakonie Düsseldorf Videotelefonie nutzen wollen, registrieren Sie sich bitte mit ihrer Diakonie-Addresse bei Rainbow und lassen Sich über die IT für einen „Enterprise-Account“ freischalten.

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